Jugend meets Kandidaten

Jugend meets Kandidaten

Vorgestern Abend wurde es in Schönaich noch einmal spannend. Im Jugendhaus UrWerk hatte die Schönaicher Jugend die große Chance, uns Kandidaten und Kandidatinnen für die Bürgemeisterwahl am Wochenende, noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Ein paar Sachen direkt anzusprechen, Luft zu machen und für sich zu entscheiden: Wen wähle ich denn am kommenden Sonntag? Wer verspricht uns was, wer nicht? Und wem glaube ich, dass er wirklich hinter seinen Worten steht und nicht vor unangenehmen Themen scheut?

Was die Schönaicher Jugend da von mir fordert und meine Antworten, lesen Sie hier im aktuellsten Beitrag zur Jugend in Schönaich schwarz auf weiß…

Erst in 9 von 16 Bundesländern wählen Jugendliche

Neun von 16 deutschen Bundesländern sind dem Vorbild des Landes Brandenburg gefolgt. Seit 1996 dürfen dort schon Jugendliche ab 16 mitbestimmen, was kommunalpolitisch passiert. Weitere Infos dazu finden Sie auf der gelungenen Seite „Wahlen ab 16 – mach’s ab 16!“ 

Ich finde es richtig und wichtig, dass bereits 16-jährige ihr Recht erhalten, selbstbestimmt für ihre Ansichten einzutreten. Oder eben den passenden Vertreter zu wählen, der das für sie übernimmt. Gerade junge Menschen haben (noch) den Schneid, einfach mal unverblümt auf den Tisch zu hauen. Mit Tatendrang und Nachdruck. Das haben unsere Jugendlichen bereits auf der Kandidatenvorstellung vor zwei Wochen bewiesen und darauf bin ich ziemlich stolz.

Weil mir das persönlich sehr wichtig ist, war ich vor ein knapp zwei Monaten als erster Anlaufpunkt bereits im Jugendhaus. Habe Paletten organisiert und geschleppt und mich, wo es ging, nützlich gemacht. Seither halte ich die diesbezüglich die Stellung. Aber eher auf die unaufdringliche Art und Weise. Wen diese Punkte interessieren, sei gerne eingeladen sich in den dazu gehörenden Beiträgen zu informieren: „Wie gehts weiter mit dem Jugendhaus“ und „Paletten fürs Jugendhaus“ oder unter meinen Zielen zu „Bildung, Jugend & Betreuung“.

 

Eure Forderungen – meine Antworten

Wie geht´s weiter mit dem Jugendhaus UrWerk?

Jens Beranek Bürgermeister Schönaich 2017 Wahl Urwerk Jugendhaus Jugendarbeit

Es tut mir leid. Egal, wer da was verspricht, aber: Die Zeit des UrWerks ist definitiv abgelaufen. Die Beschluss- und Planungslage der Verwaltung und des Gemeinderats machen eine Rettung unmöglich. Dieser Entschluss ist endgültig gefällt worden – und zwar schon bevor der Wahlkampf in Schönaich überhaupt begonnen hat.

Ein Ausweichquartier gibt es vorerst nur im alten Proberaum des Musikvereins in der Realschule. Ich weiß, die Situation ist unbefriedigend – doch die Schlacht um das UrWerk wurde leider vor der Wahl geschlagen.

Wo kann der Bauwagen wirklich hin?

Jens Beranek Wahl Schönaich Jugend Bauwagen
Vor drei Wochen im Fronäcker…

Der derzeitige Ort im Fronäcker ist keine Dauerlösung. Und zwar weder für junge Schönaicher, noch für die Anwohner. Da gibt es auf lange Sicht nur Ärger und kostet auf beiden Seiten Nerven. Es ist – verständlicherweise – wenig sinnvoll die Lage noch zu verschärfen, indem man da was durchboxt. Auch wenn es erst mal cool aussieht…

Denkbare Alternativen sind im Bereich um den Skater Park möglich. Da gibt es zahlreiche Vorteile: Keine bzw. wenig Anwohner, die sich gestört fühlen könnten. Abgeschiedenheit mitten in Schönaich, um nicht ständig unter Beobachtung zu stehen. Luft, um den Bauwagen herum, um kreativ zu gestalten. Z.B. die wirklich genialen Sitzgelegenheiten aus Paletten. Oder eine Slackline, oder… auf jeden Fall hat da die Jugend ihre Ruhe vor den Ruhe suchenden Älteren im Ort

Mein Vorschlag: Her mit dem Jugendgemeinderat!

Ich will alle Jugendlichen stärker einbinden und auch ein Stück weit begeistern. Besser gesagt: Den Einsatz und die Begeisterung nicht gleich im Keim ersticken, denn die bringen die Jugendlichen ja schon selbst mit! Für mich ist da vieles denkbar, wie z.B. ein aktiver Jugendgemeinderat, Jugend-Sprecher… 

Was genau sich die Jugendlichen wünschen, höre ich mir – wie bereits oft geschehen – gerne und auch so lange an, bis es klickt: Vor knapp fünfzehn-zwnzig Jahren scheiterte leider die Idee eines Jugendgemeinderats an mangelnder Beteiligung als es konkret wurde. Das heißt ja aber lange noch nicht, dass es diesmal wieder passieren muss. Mein Vorschlag also:

Jugendgemeinderat – Wir probieren das einfach gemeinsam aus!

Oder alternativ: Bürgerhaushalte für Jugendthemen

Eine ziemlich neue Innovation sind so genannte Bürgerhaushalte.Klingt im ersten Moment unspannend, ist es aber Ganz im Gegenteil. Da ist wieder einmal Brandenburg uns einen deutlichen Schritt in Sachen Jugendbeteiligung voraus. Aber das muss ja nicht so bleiben!

Was ist jetzt so ein Bürgerhaushalt?

(Antwort der Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg)
„Ihr entscheidet dabei selbst über einen Teil des Haushaltes der Kommune. Ihr könnt also Vorschläge einbringen, wofür die Stadt eurer Meinung nach Geld ausgeben sollte. Zum Beispiel für Sportstätten, Jugendclubs oder Bildungsangebote. Bürgerhaushalte sind relativ neu. Ziel ist es, Korruption zu vermeiden, die Bevölkerung stärker an kommunalen Entscheidungsprozessen zu beteiligen, der Verschwendung von Steuergeldern entgegenzuwirken und auch weniger gut vertretene Bürgerinnen und Bürger aus einkommensschwächeren Stadtteilen einzubeziehen. Gemeindepolitik soll gerechter werden. Über die Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel, verständigt sich die Bürgerschaft dabei in verschiedenen Prozessabschnitten selbstständig. Die Abläufe sind in jeder Gemeinde individuell festgelegt. Generell läuft ein Bürgerhaushalt in folgenden Schritten ab: 1. Vorschlagssammlung (kann über das Internet, telefonisch und schriftlich erfolgen), 2. Priorisierung, 3. Sortierung, 4. Votierung, 5. Übergabe an die Gemeindevertreter, 6. Beschluss, 7. Umsetzung und 8. Rechenschaft. Zwischen den einzelnen Schritten finden immer wieder Beratungen und Diskussionen statt. In Potsdam darf jeder Vorschläge zum Bürgerhaushalt einbringen. Wenn du 14 Jahre oder älter bist, kannst du über die Projekte abstimmen.“

Klingt nach einer ziemlich guten Idee, oder?

Wie kann Schönaich für Jugendliche attraktiver werden?

Wir sind eine kleine Gemeinde. Es wäre zwar ziemlich lässig ein so großes Programm für Jugendliche zu bieten, wie in Böblingen oder Sindelfingen, jedoch vielleicht ein bisschen weit gegriffen.

Aber! Obwohl in der derzeitigen, sehr angespannten finanziellen Situation der Gemeinde kein groß angelegter Ausbau des Angebots möglich ist, gilt das noch lange nicht für kleine Projekt! Wie beispielsweise der öffentliche WLAN Ausbau. Erreichbar auch vom Jugendhaus und vielleicht sogar dem Bauwagen (da müsste aber der Standort stehen und wir prüfen wie weit ein Repeater reicht.) 

Das Gute: Nicht erst seit der Aktion mit den Paletten wissen hier alle, dass es überhaupt nicht viel Geld kostet, kreative und konstruktive Ideen zu verwirklichen. Ich bin da für jede Idee offen und versuche die Mittel aufzutreiben. Vielleicht wäre ja eine Lichtanlage (z.B. kostengünstig und sehr leistungsstark von ADJ oder Alternativen) und eine Soundanlage im neuen Jugendraum ein Anfang?

Die letzte Frage: Warum sollte man mit 16 gerade mich wählen?

Ich bin selbst mit 38 nicht mehr ganz so jung. In den Augen der Jugendlichen wahrscheinlich sogar ganz schön alt (so alt wie eure Eltern?). Was mir aber mein Leben lang erhalten blieb, ist mein Kontakt zu den jungen im Ort.

Ich habe neun Nichten und Neffen, die hier aufwachsen. Die ersten sind in spätestens 8 Jahren wahlberechtigt. Und die wollen hier was geboten bekommen. Die stehen mir sonst Tag für Tag auf der Matte. Und zwar zu Recht!

Das ist aber nicht der einzige Grund: Während des gesamten Wahlkampfs habe ich bereits versucht, meine Begeisterung für Kommunalpolitik weiter zu geben. Um erstaunt zu erkennen: Das braucht es nicht. Die ist ja schon längst da. Aber, wenn ich natürlich jedes Mal auf eine Frage eines Kindes oder Jugendlichen antworte: „Dafür bist du noch viel zu klein. Was interessiert mich deine Meinung?“, dann dauert es nicht lang und das Feuer ist aus. Ich bin meinen Eltern da ziemlich dankbar. Die haben mich immer nach meiner Meinung gefragt, mich bestärkt für Dinge einzutreten, die mir wichtig sind und diese dann ernst genommen. Und dem Vorbild möchte ich jetzt gerne folgen. Ich fange einfach mal mit dem ernst nehmen der Jugend an. Das Feuer dürft ihr mir dann machen…

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